Pilotprojekt „TagWerk“ in Köpenick: Was bekannt ist und was offen ist
Stand: 1. Oktober 2026Lesezeit ca. 5 Minuten
Elternbericht
Was angekündigt wurde
Der Träger Kindertagesstätten SüdOst hat Elternvertretungen für den 29. September 2026 zu einer Informationsveranstaltung mit dem Titel „TagWerk Kita – Schule des Lebens – Wo Alltag zum Abenteuer wird“ eingeladen[1].
Nach Berichten von Eltern sollen die Kita Uhlenhorster Straße und die Kita Friedrichshagener Straße in Köpenick dafür ihre Kinder nach Alter aufteilen. Kinder bis etwa vier Jahre sollen in die Kita Uhlenhorster Straße gehen, die Fünf- und Sechsjährigen in die Kita Friedrichshagener Straße[2]. Die Umsetzung soll im ersten Quartal 2027 beginnen, das Pilotprojekt bis 2028 laufen[2].
Eltern der Kita Uhlenhorster Straße haben am 23. September 2026 von den Plänen erfahren. Das erste Schreiben des Trägers an die Eltern liegt uns noch nicht vor.
Dokumentiert
Was schriftlich vorliegt
Der Initiative liegen die Einladung des Trägers zur Informationsveranstaltung[1] und die Einladung zum Sonder-Elternabend am 28. September 2026 vor[3].
Öffentlich beschreibt der Träger „TagWerk“ in einem Beitrag vom 22. Januar 2024 als pädagogisches Konzept mit offener Arbeit, Lernwerkstatt und Lernen im Alltag[4]. Eine Aufteilung von Kitas nach Alter auf zwei Standorte steht dort nicht.
Die Kita Uhlenhorster Straße hat laut Träger 95 Plätze, die Kita Friedrichshagener Straße 90 Plätze in sieben Gruppen[5].
Eine schriftliche Zusammenfassung des Konzepts hat der Träger nach Angaben der Elternvertretung am 29. September 2026 angekündigt. Sie liegt noch nicht vor.
Zitat ausstehendWörtliches Zitat aus dem Konzept des TrägersWird nach Erhalt mit Seitenangabe ergänzt.
Elternbericht
Was der Träger als Begründung nennt
Laut Mitschrift der Eltern vom 28. September 2026 nannten Vertreterinnen und Vertreter des Trägers diese Gründe: stark sinkende Kinderzahlen, die Sicherung der Standorte als „oberste Priorität“ und eine bessere Pädagogik mit Funktionsräumen und Lernwerkstatt. Seit zwei Jahren überlege der Träger, wie die Standorte erhalten werden können; im letzten halben Jahr sei entschieden worden, das Konzept hier zu beginnen[2].
Laut derselben Mitschrift sagte die Vertretung des Trägers auch: Etwa die Hälfte des Teams der Kita Uhlenhorster Straße solle an den anderen Standort wechseln, für die Ein- bis Vierjährigen werde sich vor Ort nicht viel ändern, Freundesgruppen sollten zusammenbleiben, und umgesetzt werde das Konzept „nur mit Mehrheit“. Alternative Konzepte seien grundsätzlich willkommen[2].
Funktionsräume und Lernwerkstätten sind anerkannte Ansätze. Das Berliner Bildungsprogramm beschreibt Kitas mit und ohne feste Gruppenräume und nennt die Lernwerkstatt ausdrücklich[6].
Zum Hintergrund: In Berlin wurden 2025 insgesamt 33.240 Geburten registriert, 4,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Das Amt für Statistik spricht von einem neuen Tiefstand[7]. Die Bevölkerungsprognose des Senats erwartet bis 2030 weniger Kinder unter sieben Jahren: in Berlin 3,9 Prozent weniger als 2025, in Treptow-Köpenick 1,9 Prozent und in Neukölln 5,2 Prozent weniger. In beiden Bezirken betreibt der Träger Kitas[8]. Von August 2025 bis August 2026 schlossen in Berlin 59 Kitas, 57 davon bei freien Trägern und 2 bei den Kita-Eigenbetrieben; 24 Kitas kamen neu hinzu[9].
Ältere Planungen gingen noch von Wachstum aus. Die Kita-Planung des Bezirks Treptow-Köpenick für 2022 bis 2026 stützte sich auf die Bevölkerungsprognose 2018 bis 2030. Sie nannte rund 2.000 zusätzliche Kinder unter sieben Jahren bis 2026. Schon 2020 und 2021 blieb die tatsächliche Entwicklung dahinter zurück[10].
Elternbericht
Was Eltern berichten
Familien mit mehreren Kindern müssten morgens zwei Kitas anfahren. Bring- und Abholzeiten, Elternabende und Schließtage kämen doppelt. Jüngere Geschwister blieben dann womöglich länger in der Kita.
Eltern jüngerer Kinder sorgen sich um eine zweite Eingewöhnung (die begleitete Anfangszeit in der Kita) und den Verlust vertrauter Erzieherinnen und Erzieher. Vorschulkinder würden wenige Monate vor der Schule die Kita wechseln.
Der Weg zwischen den beiden Kitas führt nach Angaben von Eltern über die Bahnhofstraße. Der Bahnhof Köpenick wird zum Regionalbahnhof umgebaut. Vom 10. bis 31. August 2026 war die Bahnhofstraße unter den Eisenbahnbrücken deshalb voll gesperrt[11].
Das Berliner Bildungsprogramm beschreibt, worauf es bei solchen Übergängen ankommt: Ein Kitawechsel „kann eine erneute, angepasste Phase der Eingewöhnung erfordern“, und „besonders kritisch wird es, wenn das Kind zeitgleich weiteren Veränderungen und Belastungen ausgesetzt ist“[6].
Offene Frage
Widersprüche und offene Fragen
Ist die Umsetzung beschlossen, und wer entscheidet wann? Laut Mitschrift der Eltern vom 28. September 2026 hieß es von Seiten des Trägers, es gebe „keine Festlegungen“. Nach dem Eindruck der Eltern am 29. September 2026 soll das Konzept wie geplant umgesetzt werden.
Wann und wie wurden Jugendamt, Kita-Aufsicht und Verwaltungsrat eingebunden?
Wie trägt das Konzept, wenn Familien die Kitas verlassen?
Wie weit liegen die beiden Kitas tatsächlich auseinander, zu Fuß und mit Bus und Bahn?
Sind außer den beiden Kitas weitere Einrichtungen betroffen?
Die Elternvertretung hat 21 Fragen an den Träger vorbereitet. Sie sind noch nicht schriftlich übergeben.
Forderung
Unsere Position
Uns geht es nicht um das Ob, sondern um das Wie. Gegen eine Weiterentwicklung der Pädagogik haben wir nichts. Bevor eine Kita nach Alter auf zwei Standorte aufgeteilt wird, müssen die Gründe offengelegt und Alternativen mit den Familien geprüft werden.
Unsere Forderungen sind noch im Entwurf; der Wortlaut wird in der Initiative abgestimmt. Wir fordern, die Umsetzung auszusetzen, bis die offenen Fragen geklärt sind, die Entscheidungsgrundlagen offenzulegen und gemeinsam mit Eltern und Teams ergebnisoffen zu planen. Zu den Forderungen
Quellen
[1]Einladung der Geschäftsleitung der Kindertagesstätten SüdOst zur Informationsveranstaltung am 29. September 2026. Liegt der Initiative vor.
[2]Mitschrift des Elternabends vom 28. September 2026, zusammengeführt aus drei Mitschriften von Eltern. Vom Träger nicht bestätigt. Liegt der Initiative vor.
[3]E-Mails der Kita und des Trägers zum Sonder-Elternabend am 28. September 2026. Liegen der Initiative vor.
Die Elternvertretung hat 21 Fragen an den Träger vorbereitet, für die Informationsveranstaltung am 29. September 2026. Wir veröffentlichen die Fragen hier, sobald die Elternvertretung zugestimmt hat.
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Quellen zum Weiterlesen
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